Katakomben von Paris

Ein Besuch in den Katakomben von Paris, eine unterirdische Erfahrung der ungewöhnlichen Art!

Zunächst ein bisschen Geschichte

Im 18. Jh. erlebte die französische Hauptstadt einen Wachstumsschub. Die Friedhöfe der Stadt waren schnell überfüllt. Der damals meistgenutzte Cimetière des Innocents war am stärksten betroffen, insbesondere aufgrund des starken Regens, der ständig auf die ganze Region von Paris niederging und starke Überschwemmungen verursachte. Die verwesenden Leichen der Verstorbenen, die nicht richtig begraben werden konnten, stiegen an die Oberfläche und verbreiten übel riechende Ausdünstungen, die für die Einwohner unerträglich waren. Krankheitserreger verbreiteten sich mit großer Geschwindigkeit. Es musste rasch gehandelt werden, um eine radikale Lösung für dieses gravierende Problem zu finden.

So wurden über einen Zeitraum von fast 30 Jahren (von 1786 bis 1814) rund 150 Friedhöfe aufgelassen. Die sterblichen Überreste von sechs Millionen Parisern wurden gesammelt und mit dem Leiterwagen zu den „Beinhäusern“ der Katakomben transportiert, die sich in den unterirdischen Steinbrüchen von Paris befinden. Aufgrund dieser massiven Zusammenlegung wurde die Identifizierung der Verstorbenen unmöglich. Man weiß lediglich, dass sich unter den Gebeinen Berühmtheiten der Geschichte Frankreichs befinden: Charles und Claude Perrault, Rabelais, Racine, Colbert, Robespierre, Danton und viele andere!

Der erste Besucher konnte die Katakomben von Paris im Jahr 1787 besichtigen, zum damaligen Zeitpunkt waren die Besichtigungen allerdings strengstens privat.

1806 wurden dann für wenige Glückliche öffentliche Besichtigungen organisiert, doch nur zu bestimmten Daten. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Schaulustige, um die mysteriöse Unterwelt der Hauptstadt zu erkunden, und die Anlagen wurden angepasst.

2017 wurden die Katakomben umgestaltet, um den Besuchern mehr Komfort zu bieten und insbesondere einen neuen Ausgang sowie Toiletten einzurichten.

Plan der Katakomben von Paris, 1857
Plan der Katakomben von Paris, 1857

Um mehr über die spannende, wenig bekannte Geschichte dieses unterirdischen Labyrinths zu erfahren, werfen Sie einen Blick in das Buch Les Catacombes, Histoire du Paris souterrain von Gilles Thomas – einem echten Kenner dieser jenseitigen Welt!

            Entdecken Sie außerdem die Erfahrungen dieser städtischen Nomaden in La cité des cataphiles: „Kataphile – Liebhaber der Katakomben – nennen sich die illegalen Spaziergänger im verzweigten Netzwerk der früheren Steinbrüche von Paris, einem unterirdischen, 300 Kilometer langen Labyrinth, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist und unter der U-Bahn und der Kanalisation die südlichen Stadtviertel abdeckt.“ (B. Glowczewski, J-F. Matteudi 1983)

Die Katakomben in Zahlen

Dieses gigantische Pariser Beinhaus deckt eine Fläche von 11.000 m² unterirdischer Gänge ab.

            Hunderte Kilometer Irrwege breiten sich unter den Straßen von Paris aus, doch nur 1,8 Kilometer davon stehen zur Besichtigung offen.

Hier ruhen rund sechs Millionen Gebeine aus 150 verschiedenen Pariser Friedhöfen.

Es dauerte knapp 30 Jahre, um alle diese Gebeine zu exhumieren und in den Beinhäusern zu gruppieren.

Die Höhe der Gewölbe beträgt 1,80 Meter.

Die Raumtemperatur ist mit 14 Grad konstant, die Feuchtigkeit ist relativ hoch.

Es handelt sich um eine regelrechte Totenstadt unter der Kanalisation und U-Bahn, 20 Meter unter dem Boden.

Die Besichtigung erfordert auch einen gewissen sportlichen Einsatz: Es sind 131 Stufen hinunterzusteigen und 112 Stufen, um wieder nach oben zu gelangen.

Rechnen Sie mit 45 Minuten bis 1 Stunde für die Besichtigung.

            Der Strom wurde hier erst 1983 verlegt, bis dahin fanden Besichtigungen ausschließlich bei Kerzenlicht statt!

            Anfang des 19. Jh. begann ein gewisser Chambéry, hier die berühmten Pariser Champignons anzubauen.

            Die Tunnels der Katakomben wurden im Zweiten Weltkrieg von beiden Seiten genutzt.

            Mehrere Bunker wurden hier gebaut, einer von ihnen ist bis heute erhalten und befindet sich unter dem Lycée Montaigne.

            Kataphilie: Eine eingeschworene, geschlossene Gemeinschaft von Kataphilen treibt sich heimlich in den Katakomben von Paris herum.

            Allerorts finden sich von den Kataphilen improvisierte Schwimmbecken.

Sind Sie bereit für den Hechtsprung in den Katakomben von Paris?

Bevor Sie sich auf Entdeckungsreise in die Katakomben begeben, sollten Sie einige nützliche Details berücksichtigen. Mit etwas Voraussicht wird Ihr Besuch wesentlich angenehmer, da Sie besser vorbereitet sind.

Wenn Sie eine Besichtigung der Pariser Unterwelt improvisieren möchten, brauchen Sie viel Geduld!

Der Besuch der Katakomben gehört zu den unumgänglichen Attraktionen eines Parisaufenthalts – vielleicht nicht ganz so überlaufen wie der Louvre oder der Eiffelturm, dennoch zieht dieser Ort Jahr für Jahr mehr als 500.000 Besucher an. Aufgrund der Beschränkung auf 200 Personen kann der Zugang bei starkem Besucheraufkommen vorübergehend unterbrochen werden, sodass endlose Warteschlangen entstehen!

Warteschlangen am Eingang zu den Katakomben
Warteschlangen am Eingang zu den Katakomben
Eingang zu den Katakomben
Eingang zu den Katakomben

In diesem Fall wird empfohlen, rund 1,5 Stunden vor der Öffnungszeit einzutreffen, um die Wartezeit zu halbieren und zu den ersten zu zählen, die eingelassen werden.

Meiden Sie nach Möglichkeit Schulferien (2 Stunden Anstehen!) und gehen Sie nicht das Risiko ein, gegen 19 Uhr einzutreffen, denn dann ist der Eintritt fast unmöglich.

Die Option des Tickets ohne Anstehen ist eine gute Möglichkeit, diesen Besuch zu genießen, denn Sie verlieren nicht unnötig Zeit mit der Warteschlange, und Audio-Guides – auch auf Englisch und Französisch erhältlich – sind im Preis inbegriffen (ein nützliches Mittel, um sich besser auf den Ort einzustimmen!)

Als ultimative Erfahrung sollten Sie eine Besichtigung mit Führung (Dauer: 2 Stunden) wählen, während der Sie Ihr Guide in die der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereiche führt!

Auf dem Programm: Abstieg in die Steinbrüche und Besichtigung der beeindruckenden Beinhausgalerie.

Wendeltreppe
Wendeltreppe

Nachdem Sie über eine Wendeltreppe rund 130 Stufen hinabgestiegen sind (bequeme Schuhe sind ein Muss!), befinden Sie sich zu Beginn Ihrer Besichtigung 20 Meter unter der Erde in langen, schmalen Gängen. Am Ende eines dieser Gänge sehen Sie das beeindruckende Modell der Galerie Port-Mahon

Modell der Galerie Port-Mahon
Modell der Galerie Port-Mahon

und die Steinbrüche der Katakomben enden im Fußbad der Steinbrecher.

Fußbad der Steinbrecher
Fußbad der Steinbrecher

             Zweiter Teil der Besichtigung: Nichts für empfindliche Seelen!

Folgende Worte sind im Stein über der Tür zum Beinhaus zu lesen: „Halte ein! Hier beginnt das Reich des Todes“, das erste aus einer langen Serie von Zitaten der Literatur, die zum Teil bis in das 19. Jh. zurückreichen. Im Verlauf Ihrer Besichtigung werden Sie diese „Literatur der Unterwelt“ kennen lernen, düstere Botschaften aus der Feder großer Schriftsteller wie Balzac, Dumas, Gérard de Nerval oder Gaston Leroux – um nur einige zu nennen.

Eingang zum Beinhaus der Katakomben von Paris
Eingang zum Beinhaus der Katakomben von Paris

Grausige Atmosphäre, besonderer Geruch, eine Raumtemperatur von 14 Grad, all das 20 Meter unter der Erde: Endlich geht es in das Beinhaus.

In dieser 800 Meter langen Galerie ruhen Millionen Gebeine, gruppiert nach Friedhöfen, sortiert und aufgereiht nach Knochentypus, und füllen die Wände vom Boden bis zur Decke.

Schild mit Beschreibung der Friedhofsherkunft der Gebeine
Schild mit Beschreibung der Friedhofsherkunft der Gebeine

Hier und da stehen dekorative Figuren, manche von ihnen berühmt wie die Figur des Fasses.

Dekorative Figur: Das Fass
Dekorative Figur: Das Fass
Die Gänge der Knochengalerie
Die Gänge der Knochengalerie

Anfahrt

Adresse der Katakomben von Paris: 1 Avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy (Place Denfert-Rochereau) 75014 Paris

Der Eingang befindet sich am Place Denfert-Rochereau, deshalb ist es recht einfach, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Katakomben zu begeben.

U-Bahn: Station Denfert-Rochereau (Linien 4 und 6)

RER: Station Denfert-Rochereau (RER B)

Bus: Halt Denfert-Rochereau (Linien 38 und 68, 88)

Nützliche Informationen

Aus Sicherheitsgründen und zur Erhaltung des Beinhauses ist der Eintritt in die Katakomben mit einem Koffer oder einer großen Tasche verboten. Nur Taschen mit einer Maximalgröße von 40×30 cm sind erlaubt. Sie müssen vorne oder in der Hand getragen werden. Es gibt keine Gepäckaufbewahrung, denn der Ausgang befindet sich auf 21bis, avenue René-Coty, nahezu 700 Meter vom Eingangspavillon entfernt.

Private Fotos sind erlaubt, vorausgesetzt es wird kein Blitz, Stativ oder anderes Material verwendet, das andere Besucher stören könnte.

Essen und Trinken sind bei der Besichtigung verboten.

Tiere sind nicht erlaubt.

Es ist untersagt, die Gebeine zu berühren, denn es handelt sich um die sterblichen Überreste von Millionen Parisern.

            Von der Besichtigung abgeraten wird bei Schwangeren, Personen mit Klaustrophobie, Herzschwäche oder Lungeninsuffizienz oder Personen, die von diesem Ort belastet werden könnten, insbesondere kleine Kinder, die nur in Begleitung eines Erwachsenen zugelassen sind. 

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 20:30 Uhr. Letzter Eintritt um 19:30 Uhr.

Am Montag und an Feiertagen geschlossen: 1. Januar, 1. und 8. Mai, Ostersonntag, Christi Himmelfahrt, 14. Juli, 15. August (Mariä Himmelfahrt), 1. und 11. November, 25. Dezember.